Schriften eines Kriegers

Moin und grüßt euch, ihr eisernen Kameradinnen und Kameraden!
Ich bin Jaco und ich bin 23 Jahre alt. Ich studiere Sport in Göttingen, arbeite nebenbei im Kraftwerk und lebe das Leben eines Kriegers längst vergangener Tage. Mein Leben dreht sich zu großen Teilen um die Schlacht mit dem Eisen. Tag für Tag für Tag.. Wer von euch Lust hat, kann hier meinem Leidensweg beiwohnen.

Um dem Titel „Schriften eines Kriegers“ gerecht zu werden und vor Allem auch um mir selbst gerecht zu werden, versuche ich jetzt grundsätzlich darzustellen, wie ein ganz normaler Tag in meinem Leben abläuft bzw. wie die wichtigen Dinge in meinem Leben ablaufen. Vielleicht gibt euch das eine kleine Vorstellung davon, mit wem ihr es hier zu tun habt und was ich als erfülltes Leben betrachte.

Der Teil, von dem ich berichte, beginnt in der Küche, denn dort stehen im Regal neben unzähligen Nahrungsmitteln auch ein paar Nahrungsergänzungsmittel, welche mich rund um die Trainingseinheit begleiten.
Bevor es losgeht werden 2 kleine Dosen befüllt. In jede von beiden kommen 10g Kreatin, 15g Bcaas, 500mg Vitamin C und 200mg OPC – das ist das Grundgerüst für mein Pre- als auch Postworkoutgetränk. Je nach Bedarf und aktuellem Bestand kommen noch Grüntee, Koffein, Arginin, Citrullin und solche Geschichten dazu. Aber wie gesagt.. je nach Bedarf!

So, neben den beiden kleinen Dosen sind in meiner Sporttasche noch meine grauen, uralten und zerfledderten Chucks, Zwei 1,5l Flaschen Wasser, mein Trainingsequipment und mein Logbuch zu finden. Das wars. Keine Musik und kein Firlefanz.

Ich steige in meine Trainingsklamotten, welche immer möglichst weit und bequem sind, sodass ich keine Angst haben muss, dass das Shirt beim nächsten Latspread reißt. Außerdem hasse ich es, wenn ich im Training ständig irgendwelche Blicke auf meinem Körper spüre – ist einfach nicht mein Ding!

Während ich im Auto sitze und mir meinen Weg in die Halle des Eisens bahne, dröhnt aus den Boxen in den meisten Fällen die Band „Centhron“, welche in mir nichts auslöst als puren Hass, gepaart mit unbändiger Rastlosigkeit und Motivation!

Ich erreiche die schon von Blut aus früheren Schlachten getränkte Eisenhalle und mein Herz rast mittlerweile vor Nervosität, Siegeswillen und Erbarmungslosigkeit.

Heute wird gehoben! Ohne Gnade und herzlos!

Satz für Satz komme ich meinem Gegner, dem Arbeitsgewicht, näher. Der Schweiß tropft auf den Boden, genauso wie das Blut von meinen aufgerissenen Schienbeinen. Ich fühle es. Ich fühle es so sehr. Nichts vermag es, mich heute noch aufzuhalten. Ich werde triumphieren. Ich werde das Eisen schlachten.

Und dann ist es soweit. Es liegt vor mir. Das heutige Mahl ist bereitet. Das heute zu bezwingende Gewicht liegt vor mir. Ruhig und starr. In mir schlagen jetzt zwei Herzen. Eins ist in diesem Moment erfüllt von Angst und Ehrfurcht. Das Andere schlägt nicht mehr – es ballert förmlich von innen gegen meinen Brustkorb. Dieses Herz fühlt sich an wie eine von Tollwut besessene Bestie, welche es nicht mehr erwarten kann, ihre Beute zu reißen.

Ich trete an die Stange heran. Ich atme tief durch. Nichts um mich herum nehme ich noch wahr. Nichts Anderes zählt mehr. Jetzt gilt es.

WER HEBT, DER LEBT! WER VERSAGT, DER STIRBT!

Und so nimmt es dann seinen Lauf. Ich zögere nicht lange. Ich warte nicht mehr ab. Die Zeit ist gekommen. Ich fange an zu ziehen.. aus dem Ziehen wird ein Reißen.. die Stange versucht sich meiner Kraft zu erwehren. Sie ist schwer. So kalt und schwer. Doch ich lasse es nicht zu. Heute nicht. Heute nicht, nein, wirklich niemals!

Sie bewegt sich. Höher und höher. Sie reißt meine Schienbeine weiter auf und sie giert nach meinem Blut. Ich überlasse ihr diesen köstlichen Saft – soll sie sich ruhig daran erfreuen. Diese Freude sei ihr gegönnt, in den letzten Sekunden vor ihrer Vernichtung!

Und dann ist es soweit. Ich stehe stolz dar. Ich stehe aufrecht und stolz – mit meinem Opfer in den Händen.

Und so ist es jedes Mal.

J

 

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2017-10-04T14:17:54+00:00